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Durststrecke

Vielleicht waren die letzten Bücher einfach zu gut. Vielleicht hat auch ein Krimi als Ablenkung nicht gereicht, um “Der Name des Windes” nicht mehr als Maßstab zu sehen. Auf jeden Fall begeistert mich meine aktuelle Lektüre nicht wirklich.

Vince Eberts “Denken sie selbst!” habe ich nach knapp über hundert Seiten abgebrochen. Irgendetwas fehlte. Es weder besonders lustig, noch geistreich. Vielleicht liegt es an der Schriftform, gehört oder gesehen habe ich ihn noch nicht. Aber als ich bei dem Gedanken daran nochmal hundert Seiten davon lesen zu sollen innerlich leise stöhnte, habe ich es aufgegeben. War ja auch nur ausgeliehen. Mit Dank zurück.

“Die Legenden der Albae: Gerechter Zorn” von Markus Heitz begeistert mich leider gerade auch nicht wirklich. Normalerweise verschlinge ich seine Bücher und kann mich kaum davon trennen. Dieses blubbert so vor sich hin. Die Handlung ist bisher sehr übersichtlich, die Beschreibungen seltsamer Wesenheiten überwiegen. Ärgerlicher sind für mich aber kleine Logikfehler. Gerade noch stand der Alb splitterfasernackt vor seinen Feinden, kurz darauf greift er ein Sklavenhalsband quasi aus der Luft. Und warum sollte ein Volk eine Seite seines Landes extrem befestigen, die andere Seite aber gänzlich ungesichert lassen? Solche Sachen stören mich, da vergeht mir die Lust zum weiterlesen. Werde ich trotzdem tun, da ich seine Bücher bisher immer sehr mochte und auf eine Steigerung hoffe. Aber nach bisher 270 Seiten ist das Fazit eher durchschnittlich.

Christopher Moore – Fool

In „Fool“ erzählt Christopher Moore die Geschichte König Lears neu, der zweien seiner drei Töchter sein Königreich vermacht und die dritte enterbt. Um anschließend diese Entscheidung relativ schnell wieder anzweifeln zu müssen. „König Lear“ ist ein Drama aus Shakespeares Feder.

Moore erzählt die Geschichte hier aus der Sicht des Hofnarren Pocket. Das Grundgerüst stimmt auch mit der Handlung König Lears überein, er hat allerdings noch Teile aus mehr als einem Dutzend anderer Stücken eingebaut. Von denen ich nur McBeth und Hamlet erkannt habe, was wohl einfach daran liegt, dass ich noch nicht viel von Shakespeare gelesen habe.

Von Moore habe ich schon etliche Bücher gelesen und mich immer köstlich amüsiert. Sein unverblümter Stil gefällt mir sonst sehr, mit „Fool“ habe ich mir zum ersten Mal etwas schwer getan. Die Geschichte ist kunstvoll gestrickt, die eigenen Ergänzungen und Interpretationen Moores waren passend und ich dachte mir das ein oder andere Mal, dass es so auch gut in Shakespeare „König Lear“ gepasst hätte, wo vieles ja nur angedeutet wird. Aber mit dem Humor kam ich in diesem Buch anfangs gar nicht zurecht. Der bewegt sich oft auf ziemlich flachem Niveau, Sperma fließt in Strömen, dauernd wird gepoppt, ohne das es wirklich zur Handlung beiträgt. Hätte er sich damit etwas mehr zurück gehalten, hätte mir das Buch wesentlich besser gefallen. So ertrank manch gute Idee in Strömen männlichen Körpersekrets.

Gegen Ende hatte ich mich entweder daran gewöhnt und das W-Wort überlesen, oder es wurde tatsächlich etwas besser. Die Geschichte selbst trat wieder in den Vordergrund und wurde wirklich noch fesselnd. Das hat mich insgesamt mit dem Buch wieder etwas versöhnt.

Eine leichte Enttäuschung bleibt, aber vom nächsten Moore wird es mich sicher nicht abhalten.

Atemlos…

… hat mich “Die Chemie des Todes” von Simon Beckett zurück gelassen. Eigentlich hatte ich ja andere Pläne für diesen Abend. Beging dann aber den Fehler, beim Abendessen weiter zu lesen. Die letzten 180 Seiten habe ich am Stück gelesen, ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Es war einfach zu spannend.

Auch wenn mir zwei Vorgänge eigentlich nur noch bestätigt wurden. Ich lese wohl doch zuviel, die Hinweise waren zu deutlich. Manchmal habe ich das Gefühl, diese Sätze seien mit Textmarker markiert, man kann sie gar nicht überlesen und weiß sofort, das spielt nachher noch eine Rolle. Die ein oder andere Überraschung war für mich aber auch noch drin. Mal sehen ob ich im zweiten Band (“Kalte Asche”)noch mehr entdecke, nachdem ich seinen Stil jetzt ein wenig kennen gelernt habe.

Morgen früh geht es dann erst mal weiter mit “Die Legenden der Albae” von Markus Heitz. Realistischer Weise sollte ich mir für das Wochenende nicht zuviel vornehmen. Jedes seiner Bücher war bisher ein Pageturner, den ich am liebsten am Stück verschlungen hätte. Aber so langsam ruft die Lernerei doch auch sehr laut.

Mit einer Träne im Knopfloch …

… habe ich gerade “Der Name des Windes” von Patrick Rothfuss beendet. Dass ich die letzten 120 Seiten am Stück gelesen habe, obwohl ich eigentlich hätte lernen sollen, zeigt schon wie gut mir das Buch gefiel. So gut wie schon lange kein Fantasybuch mehr, endlich wieder mal eines, bei dem man eine Seite nach der anderen umblättern und nie wieder aufhören möchte. Auch endlich mal wieder eines, bei dem ich froh bin, dass es eine Reihe ist. So kann ich hoffentlich noch öfter in den Genuss eines so guten Buches kommen.

Der Nachteil an so guten Büchern ist, dass die danach gelesenen meistens etwas schlechter abschneiden als sie es normalerweise getan hätten, weil die Messlatte relativ hoch liegt. Deshalb lese ich jetzt erst einmal “Die Chemie des Todes” von Simone Beckett fertig, der Genrewechsel macht einen Vergleich schwerer.

Reisen ist ungesund …

… für den Stapel ungelesener Bücher. In der Bahnhofsbuchhandlung habe ich mich sehr tapfer zurück gehalten. Aber ich konnte nicht soviel lesen wie ich gerne wollte, da meine Mitreisenden extrem mitteilungsbedürftig waren. Ich fahre doch nicht mit dem Zug, um mich mit anderen Menschen zu unterhalten? Ich will die Zeit, in der ich mal nichts anderes tun könnte, einfach nur mit meinem Buch verbringen.

So habe ich nur Lian Hearns “Der Pfad im Schnee” gelesen, Band zwei der Reihe “Der Clan der Otori”. Wie gut, dass Band drei auch schon hier wartet.
“Die Chemie des Todes” von Simon Beckett konnte ich nur anlesen, obwohl sie mir auch sehr gut gefiel. Der Rest wird demnächst zu Hause verputzt.

Statt zwei Büchern wurde also nur eines gelesen, noch viel ungesünder für den SUB sind aber die beiden Bücher, die mir geschenkt wurden. Zum einen “Lebendiges Mittelalter, ein Lesebuch” von DTV, zum anderen passend zum Zweitausendjährigen Iris Kammerers “Varus”. Mit dem hatte ich sowieso schon geliebäugelt, jetzt gehört es mir.

Zum Glück stehen demnächst keine Reisen mehr an, statt fleißig Bücher zu lesen bringe ich jedesmal neue mit nach Hause.

Hape Kerkeling – Ich bin dann mal weg

Von diesem Buch hat wohl jeder schon mal gehört. Da ich für das Hardcover immer zu geizig war, ist es erst nach Erscheinen des Taschenbuches bei mir eingezogen. Nach dem Lesen kann ich aber verstehen, dass es sich so lange auf den Bestsellerlisten gehalten hat.

Hape Kerkeling beschreibt seine Wanderung über den Jakobsweg. Teilweise sehr persönlich, und auf fesselnde Art. Nicht nur, dass man mit ihm leidet, auch die interessanten Bekanntschaften die er machte und seine teilweise lustigen, teilweise nachdenklich stimmenden Erlebnisse lassen einen das Buch kaum mehr zur Seite legen.

Es ist auch eines der wenigen Bücher, das man wirklich fast jedem schenken kann, da es einen großen Leserkreis anspricht. Was die lange Zeit auf den Bestsellerlisten wohl auch erklärt.

Zwar würde ich nach der Lektüre immer noch nicht den Jakobsweg laufen wollen, aber ich kann diejenigen besser verstehen, die sich auf den Weg machen.