Home › Monthly Archives › März 2009

Markus Zusak – Die Bücherdiebin

Bücherdiebin

Liesel ist neun Jahre alt, und zusammen mit ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder auf dem Weg nach Molching, wo die Kinder bei Pflegeeltern leben sollen. Doch ihr Bruder überlebt die Reise nicht. Als er ihren Bruder fort bringt, begegnet der Tod der kleinen Liesel zum ersten Mal. Auf der Beerdigung ihres Bruders stiehlt Liesel ihr erstes, aber nicht ihr letztes Buch.
In Molching, einem fiktiven Dorf nahe München, findet Liesel nach einiger Zeit ein Zuhause voller Liebe und mit dem Nachbarsjungen Rudi auch einen guten Freund. Doch die Schrecken des Krieges machen auch vor diesem Dorf nicht halt. Zusammen mit Liesel erlebt der Leser die Jahre von 1939 bis 1943, die für sie und ihre Familie besonders schwer sind, da sie mit der Gesinnung der Nationalsozialisten nicht einverstanden sind und heimlich, weil nicht anders möglich, ihre eigene Form des Widerstandes leben.

Das besondere an dieser Geschichte ist der Erzähler. Der Tod persönlich berichtet uns sowohl von Liesels Leben, der er noch einige Male begegnet, als auch von dem Geschehen in Deutschland allgemein. Auf eine fast menschliche Art und Weise, die einen immer wieder inne halten lässt. Wenn er berichtet, wie er unfassbar viele Seelen aus den Gaskammern oder von den Schlachtfeldern holt. Wie er sie liebevoll in die Arme nimmt und fort bringt von den überstandenen Qualen. Wie er mit den Überlebenden Mitleid hat, Anteil nimmt am Leben der Menschen. Mancher Menschen besonders, die ihm aus irgendeinem Grund auffallen. Wie zum Beispiel Liesel. Man spürt gleichzeitig die für uns heute kaum noch vorstellbaren Schrecken dieser Zeit und die Geborgenheit, die Liesel trotz allem in ihrer Kindheit erfährt.

Schon lange hat mich kein Buch mehr so sehr berührt. Lange stand es auf der Wunschliste und ich war unsicher ob ich es mir gönnen sollte. Beinahe hätte ich ein wunderbares Buch verpasst, das mich noch lange in Gedanken begleiten wird.

Immer noch narrisch

“Fool” von Christopher Moore gefällt mir bisher zwar ganz gut, aber ein wenig geschockt hat es mich schon. Das Moore ziemlich schonungslos schreibt, weiß ich. Habe ja schon genügend seiner Bücher gelesen.
Aber noch in keinem ging es so oft um eine typisch männliche Körperflüssigkeit. Die hier bei jeder Gelegenheit, ob angebracht oder nicht, produziert und erwähnt wird. Nach einigen Seiten habe ich mich daran gewöhnt, aber ob das wirklich nötig war? Ich werde es sehen. Der heutige Abend wird nämlich dem Buch und einer Tüte Chips gewidmet. Den Appetit lasse ich mir von sowas nicht verderben. ;)

“Narrisch” ist übrigens ein Ausdruck aus meinem Heimatdialekt und kein Rechtschreibfehler.

Fool

Bis gerade eben war ich noch mit Hans Peter auf dem Jakobsweg unterwegs. Nachher mache ich mich dann an König Lears Hof zum Narren, endlich darf ich “Fool” von Christopher Moore lesen.

Der Stapel zu rezensierender Bücher wächst. Aber die Woche hatte viel Arbeit parat, da bleibt abends wenig Motivation noch kreativ zu sein. Zum Lesen reicht es zum Glück gerade noch. ;)

Qual der Wahl

Nachdem diese Woche sowohl Christopher Moores “Fool” als auch Hape Kerkelings “Ich bin dann mal weg” eingezogen sind, hatte ich heute morgen die Qual der Wahl. Die habe ich bei meinem nicht ganz kleinen Stapel ungelesener Bücher ja sowieso immer. Diesmal war es aber noch etwas schwieriger, da ich beide am liebsten sofort lesen würde.
Hape Kerkeling hat vorerst das Rennen gemacht, mit ihm bin ich jetzt auf dem Jakobsweg unterwegs. Die ersten sechzig Seiten sind gelesen, und gefallen mir sehr gut. Man leidet richtig mit ihm, mir würde es auf so einer Tour wahrscheinlich noch schlechter ergehen.
Als dritter Neuzugang ist auch Eoin Colfers “Artemis Fowl & the Time Paradox” eingezogen, das endlich als Taschenbuch erschienen ist. Stand heute morgen aber nicht zur Wahl, mir war nicht nach Fantasy. Kommt aber sicher gleich nach “Fool” dran, das als nächste Lektüre eingeplant ist.
Was aber nicht immer etwas zu bedeuten hat, manchmal kommt ein “Bauchbuch” dazwischen. Also ein Buch bei dem mein Bauch sagt: “Dieses Buch, genau dieses, und kein anderes, musst Du jetzt unbedingt sofort lesen!”. Ich habe gelernt auf ihn zu hören, das sind oft die schönsten Leseerlebnisse, weil das Buch zu dem Zeitpunkt perfekt passt. Jedes Buch hat seinen richtigen Zeitpunkt, an dem es das maximale Lesevergnügen bietet.

Arne Dahl – Tiefer Schmerz

tiefer schmerz

Im Vielfraßgehege des Freizeitparks werden Reste einer Leiche entdeckt. Winzige Reste, die Tierchen heißen nicht umsonst Vielfraße. Kurz darauf wird ein Nobelpreiskandidat tot aufgefunden, auf höchst seltsame Art und Weise ermordet. Hängen diese beiden Morde zusammen? Wenn ja, wie? Diesmal müssen sich Paul Hjelm und die anderen Mitglieder der A-Gruppe außerhalb der Grenzen bewegen. Sowohl außerhalb Schwedens als auch der Gegenwart, die Spur führt zu einem lange zurück liegenden Verbrechen in Deutschland.

„Tiefer Schmerz“ ist wieder mal ein sehr treffender Titel, wie sich spätestens beim zweiten Mord heraus stellt. Wie immer ist Arne Dahl nicht gerade zimperlich was Beschreibungen angeht, aber er übertreibt es auch nicht mit extrem blutigen Szenen. Blut fließt bei ihm eher relativ selten. Trotzdem sträuben sich einem schon ab und an die Nackenhaare.
Wie schon alle vorhergehenden Bücher dieser Reihe konnte ich auch dieses kaum wieder aus der Hand legen. Es war von Anfang bis Ende spannend, hat mich sofort in seinen Bann gezogen und kaum wieder losgelassen.
Diesmal hat Dahl sich einem äußerst sensiblen Thema angenommen, der Naziverbrechen in der medizinischen „Forschung“. Und mir eine neue Sicht auf die damalige Zeit eröffnet. Um ehrlich zu sein hatte ich mich nie gefragt, wo die Schweden damals standen. In diesem Buch erfährt man es zumindest teilweise, und er redet nichts schön.
Sehr passend fand ich auch den Umgang mit den damaligen Verbrechen und den Versuchen der Überlebenden und ihrer Nachkommen mit dieser Vergangenheit umzugehen. Arne Dahl hat hier viel Feingefühl bewiesen.

Wieder einmal ein spannender Krimi der soviel mehr als nur ein Krimi ist. Wer noch nichts von Arne Dahl gelesen hat, dem kann ich nur empfehlen mit „Misterioso“ einen Versuch zu wagen, dem ersten Band mit diesem Ermittlerteam.

Wie ein Grashalm im Wind…

… schwankt meine Meinung zu “Die Welt ohne uns” von Alan Weisman. Die ersten fünfzig Seiten fand ich eher enttäuschend. Nachdem ich mich darauf eingestellt hatte, dass es doch ein ganz anderes Buch als vom Klappentext versprochen ist, gefielen mir die folgenden einhundert Seiten richtig gut. Während der darauf folgenden fünfzig Seiten verflog der Reiz dann allerdings recht schnell wieder. Nach zweihundert Seiten habe ich aufgegeben.

Jetzt lese ich nur noch “How to be good” von Nick Hornby. Morgen kommen endlich meine lange erwarteten neuen Buchschätze an, dann geht es sicher wieder parallel weiter.

Ohne uns doch mit mir

Löst man sich von der Vorstellung in “Die Welt ohne uns” davon zu lesen, wie die Welt aussähe, wenn es uns von einem Tag auf den anderen nicht mehr gäbe, wird das Buch tatsächlich lesenswert. Weisman erzählt von den verschiedensten Orten auf der Welt, wie sie sich in den letzten Jahrtausenden entwickelt haben, ab und an auch kurz wie sie vielleicht in einer Zukunft ohne uns aussehen könnten. Das wird nebenbei immer mal wieder kurz erwähnt, wirkt schon fast hinein gezwungen, irgendwie muss man ab und zu ja den Titel rechtfertigen. Selten habe ich einen weniger passenden Klappentext gelesen. Man sollte die Menschen, die diese Texte verfassen, endlich mal zwingen das Buch vorher auch zu lesen. Es würde mich auch interessieren, ob der Autor den Titel selbst beigesteuert hat, oder ob der auch vom Verlag kam. Der Titel wurde originalgetreu übersetzt, im Englischen heißt das Buch “The World Without Us”.

Auch wenn es mir inzwischen besser gefällt als zu Beginn, lese ich nebenher noch “How to be good” von Nick Hornby und “Ein Sommernachtstraum” von Shakespeare. Wenn diese Woche endlich Hape Kerkelings “Ich bin dann mal weg” als Taschenbuch erscheint, kommt das auch noch dazu. Ich gehöre zu den wenigen Menschen, die dieses Buch bis heute nicht gelesen habe, das will ich ändern. Christopher Moores “Fool” ist auch für diese Woche angekündigt, dem werde ich ebenfalls nicht lange widerstehen können. Das wird ein neuer Rekord im parallel lesen.

Nick Hornby – All you can read

allyoucanread

“All You Can Read” ist die Fortsetzung zu “Mein Leben als Leser”. Eigentlich könnte ich meinen Beitrag dazu einfach noch mal hier einfügen. Aber das wäre ja langweilig.
Deshalb noch mal in aller Kürze: auch dieses Buch ist wieder eine Sammlung seiner Kolumnen zu Büchern. Gekauften Büchern, gelesenen Büchern, geliehenen Büchern, versteckten Büchern, von seinen Kindern wieder in Erinnerung gerufenen Büchern, von Freunden und Bekannten aufgedrängten und geschenkten Büchern.
Der Stil bleibt Hornby typisch locker, es macht Spaß ihm durch den letzten Monat seiner Büchererfahrungen zu folgen. Wer Nick Hornby mag und Bücher liebt wird hier seinen Spaß haben. Die kurzen Kapitel haben das Buch für mich zur perfekten Abendlektüre gemacht. Allerdings liest man doch oft noch ein Kapitel mehr als eigentlich geplant war. Es ist einfach zu schön.
Sollte es irgendwann einmal einen dritten Band mit seinen Kolumnen geben, wird der schnellst möglich von mir gelesen.

Ohne mich?

Nachdem “Generation Doof” mich nicht wirklich gepackt hat, wollte ich mir mal vorführen lassen wie die Welt aussehen würde, wenn wir von einem auf den anderen Tag verschwinden. Alan Weisman hat in “Die Welt ohne uns” dieses Szenario entworfen. Bisher habe ich erst fünzig Seiten gelesen, aber schon wieder bin ich nicht wirklich überzeugt. Eine chronologische Reihenfolge hätte sich meiner Meinung nach ganz gut angeboten. Nach einem Jahr passiert dieses, nach sovielen Jahren jenes, nach x Jahren bricht dann auch der Eifelturm zusammen weil er verrostet ist…
Herr Weisman war von diesem Konzept wohl nicht wirklich überzeugt. Auf den ersten fünfzig Seiten habe ich ohne eine wirklich erkennbare Reihenfolge einiges über den Zerfall der verschiedensten für den Hausbau notwendigen Materialien gelesen. Der Schreibstil ist gut, liest sich leicht, aber das Thema finde ich noch nicht so spannend. Dass ich heute Abend keine Lust hatte weiter zu lesen sagt schon alles. Morgen bekommt es noch eine Chance, wenn es so weiter geht, wird die Welt aber ohne mich ohne uns auskommen müssen.

König Lear

Niemals hätte ich geglaubt, dass mir “König Lear” von William Shakespeare soviel Spaß machen könnte. Angefangen hatte ich es mit dem Gedanken “Es hat nur 100 Seiten, und war ja auch nicht teuer. Wenn es nicht klappt, hörst Du einfach wieder auf”. Und was ist passiert? Nicht nur, dass ich es bis zum Ende gelesen habe, ich habe mir auch gleich “Ein Sommernachtstraum” bestellt, da es mir so gut gefiel.

Eine Rezension werde ich nicht dazu schreiben, ich bin keine Literaturwissenschaftlerin. Sicher sind mir auch viele Dinge entgangen. Trotzdem bin ich gerne den verschiedenen Ränkespielen gefolgt und habe mit Lear und Gloster gelitten.

Es war wieder eine Lektüre, die mir die Angst vor Klassikern genommen hat. Trotz der inzwischen ungewohnten Form, das letzte Bühnenstück habe ich zum Abitur gelesen, das schon einige Jahre zurück liegt, hatte ich keine Probleme mich einzufinden und es las sich erstaunlich flüssig.

Jetzt freue ich mich auf “Fool” von Christopher Moore, das hoffentlich bald erscheint.