Home › Monthly Archives › November 2008

Anna Gavalda – Alles Glück kommt nie

Glueckkommtnie

„Anouk ist tot“, dieser Satz stürzt das Leben des Architekten Charles ins Chaos. Anouk war die Mutter seines früheren besten Freundes. Seit Jahren hatte er zu beiden keinen Kontakt mehr, sich in seinem bequemen aber auch langweiligen Leben eingerichtet.

Plötzlich überfallen ihn die Erinnerungen, sein Leben gerät aus der Bahn. Der Leser findet sich ebenso wie Charles im Chaos wieder. Die ersten 150 Seiten bestehen zum Großteil aus Erinnerungsteilen, die sich anfangs nur schwer einander zuordnen lassen. Doch mit jeder Seite gewinnt man tiefere Einblicke in Charles Denken und Leben. Es lohnt sich, dem Buch diese ersten Seiten Zeit zu geben, sich zu entfalten.

Charles macht sich auf den Weg in die Vergangenheit und findet auf diesem Weg auch eine neue Zukunft, wie er sie sich vorher nie hätte träumen lassen.

„Alles Glück kommt nie“ ist wieder ein wunderschönes Buch, aber man sollte nicht erwarten, etwas Ähnliches wie „Zusammen ist man weniger allein“ zu finden. „Zusammen ist man weniger allein“ empfand ich als Wohlfühlbuch, das sich auch relativ leicht weg lesen ließ. „Alles Glück kommt nie“ hat einen viel traurigeren Unterton. Charles Verwirrung spiegelt sich in vielen kurzen, manchmal wild springenden Sätzen, man hat das Gefühl in ein Kaleidoskop zu schauen, erst langsam baut sich ein zusammenhängendes Bild auf. Gleichzeitig malt Anna Gavalda auf wunderbare Weise Bilder, denen man sich kaum entziehen kann. An den wunderbaren halb zerfallenen Gutshof werde ich mich noch lange erinnern, auch wenn er mit schonungsloser Ehrlichkeit beschrieben wurde, verlor er nicht seine romantische Note.

Ein wirklich schönes Buch über das Leben und die manchmal verschlungenen Wege zum Glück, das ich gerne weiterempfehlen werde.

Alles Glück kommt nie – Anna Gavalda

605 Seiten, Fischer

ISBN 9783596185009, 9,95 €

Unterwegs in der Uralten Metropole

Endlich wieder ein Band der Uralten Metropole von Christoph Marzi. “Somnia” ist etwas ungewohnt, da es nicht in Europa sondern in Amerika spielt. Auch sind die meisten Charaktere anfangs unbekannt, es gibt aber einige Anspielungen an die ersten Bände. “Fragen sie nicht!”
Es macht aber wieder sehr viel Spaß, diesmal mit Wittgensteins Tochter zusammen eine neue Uralte Metropole zu entdecken. Mr. Fox und Mr. Wolf sind auch schon aufgetaucht, auf die beiden warte ich inzwischen schon regelrecht.

Auf jeden Fall wieder eines dieser Bücher, die ich nur unter Aufbietung jeglicher Selbstdisziplin wieder beiseite legen kann. Also eigentlich gar nicht. Jedes “mal kurz ein paar Seiten lesen” wird unweigerlich zu mindestens einer halben Stunde Lektüre.

J. R. Moehringer – Tender Bar

tenderbar

JR wächst ohne Vater auf, die Mutter hat seinen Erzeuger wenige Monate nach seiner Geburt verlassen, da er gewalttätig war. Das Geld reicht selten aus, daher wohnen sie meistens bei seinen Großeltern, in deren Haus auch sein Onkel Charlie und zeitweise eine Tante mit ihren Kindern leben. An männlichen Bezugspersonen fehlt es JR daher nicht, in seinem Cousin McGraw findet er einen Bruder, sein Onkel Charlie, der in einer Bar arbeitet, und seine Freunde sind die männlichen Vorbilder. Seinen Vater kennt JR nur als „die Stimme“, er ist Radiomoderator.

JR fühlt sich viel zu früh für seine Mutter verantwortlich, in einem Alter, in dem er eigentlich unbesorgt über den Spielplatz tollen sollte. Von seiner Großmutter wird er noch darin bestärkt, denn „gute Söhne sorgen für ihre Mutter!“. So ist der kleine JR sehr angespannt und ängstlich, er hängt extrem an seiner Mutter. Die sorgt allerdings dafür, dass er sich langsam immer mehr von ihr löst. Als sie aus dem Haus ihrer Eltern ausziehen, schickt sie ihn in den Ferien immer wieder dorthin, in der Zeit kümmern sich sein Onkel Charlie und seine Freunde aus der Bar, dem „Publicans“, um ihn und sorgen dafür, dass er auch mal an etwas anderes als seine Sorgen denken kann.

Als JR seinen Traum wahr machen kann und nach Yale geht, wird das „Publicans“ sein Zufluchtort. Dort findet er eine Heimat und Freunde, die ihm immer mit Rat und Tat zur Seite stehen. Sowohl bei den ersten Problemen mit den Frauen, als auch später in der Arbeitswelt. Dabei fließt allerdings Alkohol in rauen Mengen, was JR auch beinahe zum Verhängnis wird.

Es ist ein ruhiger Roman, in dem Moehringer seine eigene Kindheit aufgearbeitet hat. Der Leser begleitet JR während seiner Kindheit und Jugend, bis in die Zwanziger hinein. Die Gestalten im „Publicans“ wachsen einem schnell ans Herz, so schräg sie auch sein mögen, sie haben das Herz am rechten Fleck.

Ein Buch über das Durchhalten das zeigt, dass es sich lohnt um seine Träume zu kämpfen und niemals aufzugeben.

Kalorienarmer Adventskalender

Dieses Jahr habe ich mir einen etwas anderen Adventskalender gegönnt, gestern zog Jostein Gaarders “Das Weihnachtsgeheimnis” bei mir ein. Über das Buch habe ich alljährlich nur Gutes gehört, dieses Jahr darf es mich durch die Vorweihnachtszeit begleiten.
Es liegt schon auf dem Nachttisch und wartet auf den ersten Dezember. Da die 24 Teile jeweils nur ungefähr 10 Seiten haben, werde ich sie vor dem einschlafen gemütlich im Bett lesen.

Klaus Puth – Pflücke den Klee

Auf der Suche nach einem Geschenk für eine Freundin (Bedingung: irgendetwas mit Yoga, aber lustig) fand ich dieses nette Buch.

In liebevollen Zeichnungen wurden die Kühe bei ihren Yoga-Übungen festgehalten. Wer schon mal Yoga gemacht hat, wird viele der Stellungen wiedererkennen. Die Namen wurden natürlich an das Leben auf der Weide angepasst.

Den Untertitel „Lebenshilfe mit den Yoga-Kühen“ kann man ignorieren, es gibt keine Lebensweisheiten oder ähnliches in diesem Buch, nur die wirklich netten Zeichnungen über Kühe bei ihren entspannenden Übungen.

Wer also auch mal ein witziges Geschenk sucht, das einfach nur gute Laune und den ein oder anderen Lacher mit sich bringt, sollte sich dieses Buch anschauen. Für Yogis und Yoginis könnte es die richtige Wahl sein.

David Safier – Jesus liebt mich


„Jesus liebt mich“ ist nach „Mieses Karma“ Safiers zweiter Roman. „Mieses Karma“ hat mich mit der Ameise auf dem Cover verführt, der Inhalt klang lustig und das war auch nicht zuviel versprochen. Etwas Ähnliches hatte ich mir jetzt von „Jesus liebt mich“ erwartet, auch wenn der Inhalt eher merkwürdig klang.

Kurz nachdem Marie ihrem Beinahe-Ehemann vor dem Traualtar den Laufpass gab, verliebt sie sich in den Zimmermann, der den Dachstuhl ihres Elternhauses reparieren soll. Dieser Zimmermann behauptet allerdings, er sei Jesus. Die nicht wirklich religiöse Marie hat daran erstmal einige Zweifel, wird aber ziemlich schnell eines besseren belehrt. Er ist wirklich Jesus und zurück auf die Erde gekehrt, da das Jüngste Gericht vor der Tür steht.

Marie hat nun neben der Sorge sich in den falschen Mann verliebt zu haben auch noch das Problem, was mit Ungläubigen wie ihr passiert, sollte das Jüngste Gericht tatsächlich statt finden.

In „Mieses Karma“ boten die verschiedenen tierischen Reinkarnationen viel Stoff für lustige Szenen, Safiers Humor gefiel mir sehr gut. Dieser Humor ist auch in diesem Buch vertreten, allerdings wesentlich seltener. Es hat mehr ernste Untertöne, wirkt manchmal fast ein wenig, als ob man bekehrt werden sollte. Auch wenn die Gespräche mit Gott mir ganz gut gefielen, und die ein oder andere gelungene Anspielung auf die aktuelle Weltlage enthalten war, habe ich wesentlich seltener gelacht als erhofft. Es war nette Unterhaltung, die sich leicht und schnell weglesen lies, ich hatte mir allerdings etwas mehr erwartet.

Stefan Rehberger – Träum weiter

traeumweiter

Roman wird mit Mitte dreißig unverhofft Vater, gleichzeitig wird sein Vater zum Pflegefall. Willkommen im Leben, dem er sich bis dahin nicht wirklich gestellt hatte.

Mit seiner Freundin ist er erst wenige Monate zusammen, eigentlich streiten sie auch ziemlich viel, trotzdem freuen sie sich auf das Kind. Da sie ihren Job nicht aufgeben möchte, wird Roman sich um den Nachwuchs kümmern. Als er sich dann auch noch um seinen Vater kümmern muss, der nach einem Schlaganfall nicht mehr alleine leben kann, lernt Roman die anstrengenden Seiten des Lebens kennen. Bis dahin hatte er sich immer irgendwie durch gewurstelt, das Verhältnis zum Vater war auch nicht das Beste. Jetzt müssen sich die drei Männer irgendwie arrangieren.

Das Buch hat sowohl lustige Anklänge als auch ernste. Wobei die lustigen mich nicht wirklich erreicht haben, sie wirkten teilweise etwas gewollt komisch. Man hätte das Thema „Plötzlich ein Baby“ durchaus sehr humorvoll verarbeiten können, eigentlich hatte ich mit so etwas auch gerechnet. Aber dieses Thema kam irgendwie etwas zu kurz, viel mehr im Vordergrund stehen seine Probleme mit seinem Vater und damit die ernste Seite des Buches. Nachdem ich mich darauf eingestellt hatte, gefiel mir das Buch auch wieder gut. Es lässt einen schon ein wenig nachdenken, über die eigene Zukunft als auch die der Eltern und Kinder. Es hätte mir aber besser gefallen, wenn der Autor sich entschieden hätte, ob es ein humorvoller oder ein ernsterer Roman sein soll. So wirkten die lustigen Szenen teilweise etwas deplaziert. Der Weichspüler wurde auch etwas zu großzügig eingesetzt, irgendwie läuft doch immer alles wieder glatt. Wenn das im Leben nur mal so wäre. ;)

Anna drängelt sich dazwischen

Da ich es von einer Kollegin ausgeliehen bekam und schnellst möglich zurück geben muss, wird jetzt Anna Gavaldas “Alles Glück kommt nie” gelesen. “Das Fjordland” lese ich weiterhin beim Essen, da sind geliehene Bücher natürlich tabu. In der Mittagspause lese ich “Bis an das Ende der Nacht” von Christopher Coake, eigentlich sind Kurzgeschichten nicht wirklich meins, diese hier sind aber extrem gut.

J. R. R. Tolkien – Die Kinder Húrins

Kinderhurins

In „Die Kinder Húrins“ wird die tragische Geschichte Túrins, Húrins Sohn, erstmals ausführlich erzählt. Viele Teile davon sind schon aus dem „Silmarillion“ und den „Nachrichten aus Mittelerde“ bekannt, hier hat Tolkiens Sohn Christoph noch einige bisher unveröffentlichte Teile eingearbeitet und erstmals alles an einem Stück veröffentlicht.

Die archaische Sprache ist anfangs gewöhnungsbedürftig, passt aber so wunderbar zu der Geschichte, dass ich mich schnell eingelesen hatte und sie mir gar nicht mehr auffiel.

Das Lesen fällt sicher leichter, wenn man vorher das Silmarillion gelesen hat. Es tauchen vieler Personen am Rand auf die für die Handlung wichtig sind, aber nicht mehr näher erläutert werden, da ihre Geschichte schon dort erzählt wurde. Außerdem kennt man dann schon, dass viele Charaktere ihren Namen öfter wechseln als ihr Hemd. Túrin ist unter anderem auch als Neithan, Gorthol, Agarwaen, Mormegil und Turambar unterwegs. Im Silmarillion habe ich das noch das ein oder andere mal (leise) verflucht, inzwischen bereitete das aber auch keine Probleme mehr. Stolpert man doch einmal über einen Namen, hilft die Auflistung aller Personen im Anhang weiter.

Wer aber erwartet ein Buch im Stil des „Herrn der Ringe“ vorzufinden, der wird enttäuscht sein, „Die Kinder Húrins“ erschließen sich einem doch um einiges schwerer als Tolkiens bekanntestes Werk.

Die Aufmachung dieses Buches ist wunderschön. Schon die goldenen Buchstaben auf dem Schutzumschlage sehen einfach fantastisch aus, die zum Teil farbigen und ganzseitigen Illustrationen von Alan Lee machen aus dem Buch ein kleines Schmuckstück. Auch eine Karte von Mittelerde fehlt natürlich nicht.

Wer Tolkiens Bücher mag, weil er die komplexe Welt zu schätzen weiß, die der Autor sich auf bisher noch nicht übertroffene Art und Weise erdacht hat, wird auch dieses Werk aus seiner Feder genießen.

Entscheidungsnöte

Sorgen, die nur Vielleser kennen. Vorallem diejenigen, die gerne Fantasyreihen lesen.

Heute kamen sie endlich bei mir an, der dritte Teil der Elfenritter von Bernhard Hennen, “Das Fjordland” und der vierte Teil der uralten Metropole von Christoph Marzi, “Somnia”.

Welches lese ich jetzt zuerst, nachdem ich heute Abend noch “Jesus liebt mich” von David Safier beenden werde. Leider habe ich am Wochenende zu wenig Zeit, ich werde keines der Bücher ganz lesen können. Nächsten Mittwoch bekomme ich den neuen Roman von Anna Gavalda ausgeliehen, und muss ihn möglichst schnell wieder zurück geben, also lesen. Keines der beiden Bücher von heute möchte ich gerne unterbrechen, da beide Autoren einen immer wieder so sehr in der Geschichte versinken lassen, dass man nicht mit dem lesen aufhören kann. “Somnia” hat ein paar Seiten weniger, mit 598 Seiten aber immer noch genug. Oder doch ein anderes, schlechteres Buch anfangen? Nein, ich glaube das schaffe ich nicht, wenn die beiden hier liegen.

Als ob man sonst keine Sorgen hätte. ;)

Nachtrag: der dritte Teil der Elfenritter, “Das Fjordland” von Bernhard Hennen hat gewonnen und mich schon in seinen Bann gezogen. Er räumt gleich zu Beginn mal ordentlich unter den Protagonisten auf. Den ersten Logikfehler habe ich aber auch schon gefunden, der war so deutlich, dass man ihm beim Lektorat eigentlich nicht überlesen dürfte.