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Alan Bennett – Die souveräne Leserin

„Die Zeit vertreiben?“ fragte die Queen. „Bücher sind kein Zeitvertreib. Sie handeln von anderen Leben. Anderen Welten. Man will sich ganz und gar nicht die Zeit vertreiben, Sir Kevin, man wünscht sich im Gegenteil mehr davon. Wenn man sich die Zeit vertreiben wollte, könnte man nach Neuseeland reisen.“

Die Queen entdeckt die Leidenschaft des Lesens. Eigentlich sind ihre Hunde daran schuld, die sie unversehens zum bis dahin nie wahrgenommenen Bücherbus führen. Aus Höflichkeit leiht sie sich ein Buch aus, und liest es auch. Man könnte ja gefragt werden, wie es einem gefiel.

Es folgen weitere Bücher, über dem Lesen leidet sogar das tägliche Regierungsgeschäft. Denn es bleibt nie genug Zeit für all die Bücher, die noch gelesen werden wollen. Welcher Vielleser kennt dieses Gefühl nicht?

Ihre Hoheit wird in diesem kleinen Buch über die Liebe zu den Büchern sehr sympathisch und menschlich dargestellt. Dank des Lesens entdeckt sie Facetten der Menschen, die ihr in all den Jahren auf Grund ihrer gehobenen Stellung verborgen blieben.

Mit gerade einmal 115 Seiten hat das Büchlein die richtige Dicke für einen gemütlichen Leseabend.

Wer gerne und mit Leidenschaft liest, wird seine Freude an diesem Werk haben, da es die Faszination des Lesens einfach wunderschön beschreibt.

Christoph Hardebusch – Der Zorn der Trolle

Trolle

Zwanzig Jahre sind seit dem Ende des zweiten Trollbuches vergangen. Der hart erkämpfte Frieden in Wlachkis hält noch immer, auch die Trolle halten sich an die alten Vereinbarungen und bleiben unter der Erde.

Bis der Troll Kerr vor Sorge um die Zukunft beschließt, die Spaltung seines Volkes rückgängig machen zu wollen. Die Dunkeltrolle sollen wieder zu normalen Trollen werden, was er durch die Heilung des Dunkelgeistes bewirken will.

Doch wie soll er ihn heilen? Er geht zusammen mit zwei anderen Trollen, davon einer ein Dunkeltroll, an die Oberfläche und bittet Sten um Hilfe. Doch Sten sieht sich unverhofft auch Problemen in seinem eigenen Reich gegenüber, der Friede wird brüchig und der Krieg steht wieder einmal vor den Toren Wlachkis.

Auch wenn die Lektüre des zweiten Bandes schon länger zurück liegt, findet man leicht wieder in die Geschichte hinein. Christoph Hardebusch hat die Vergangenheit flüssig in die Gegenwart eingeflochten, so dass einem bei jedem Charakter recht schnell wieder einfällt, welche Rolle er spielt. Neben vielen alt bekannten Personen gibt es natürlich inzwischen eine neue Generation, die auch einen Großteil der Handlung bestreitet.

Zur Abwechslung bekommen die Leser diesmal einen besseren Einblick in das goldene Imperium, welches bisher nur aus Berichten des Spions Sargan bekannt war. Aber natürlich kommt auch Wlachkis nicht zu kurz.

Dieser Band ist kürzer als die vorhergehenden, was eventuell daran liegen könnte, dass nicht jede Handlung bis ins kleinste Detail erläutert wurde. Oft wird eine vergangene Episode nur mit zwei Sätzen zusammengefasst, damit ist viel Platz für die eigene Phantasie, ohne dass mir etwas an Erläuterungen gefehlt hätte.

Wie schon in den beiden ersten Bänden erscheinen die Trolle unmenschlich, aber nicht monströs. Sie sind eben einfach anders, und schütteln über die Menschen und ihr seltsames Verhalten ebenso den Kopf, wie es umgekehrt der Fall ist. Kerrs Betrachtungen über die menschliche Art haben mir wieder sehr gut gefallen.

Mir gefiel dieser dritte Band der Trollreihe bisher am besten. Er hat alles, was ein Trollbuch braucht: Trolle, mindestens eine Monsterspinne, ein paar Intrigen und eine große Schlacht.

Eigentlich lese ich große Endschlachten nicht besonders gerne, aber Christoph Hardebusch trifft für mich genau das richtige Maß was den Detailreichtum angeht. Nicht zu übertrieben genau, aber man hat trotzdem immer das Gefühl zu wissen wie es gerade steht.

Allen, die die ersten zwei Bände mochten, kann ich dieses Buch nur empfehlen. Man sollte die beiden Vorgänger allerdings kennen, sonst wird es sicher schwierig die vielen Anspielungen darauf zu verstehen.

Patrick Rothfuss und "Der Name des Windes"

Das Buch (“Der Name des Windes”) wartet immer noch darauf gelesen zu werden, trotzdem muss ich es schon wieder hier erwähnen. In seinem Blog hat sich Patrick Rothfuss begeistert über die deutsche Ausgabe seines Buches und sein Interview mit Denis Scheck geäußert.

Sehr amüsiert habe ich mich über folgenden Teil seines Beitrags:

But it turns out the interviewer was Denis Scheck. I didn’t know it while the interview was taking place, but he’s actually a celebrity over in Germany. You know how Siskel and Ebert were celebrities because they reviewed movies? Well over in Germany, apparently, they care about books. Because of this, they also care about the people who read books.
Yeah, I know. Weird.”

Richtig goldig war seine Freude über das Lesebändchen in der deutschen Ausgabe:

That’s right. One of those built-in ribbon bookmarks. So genteel. So suave. Nothing screams sophistication like a ribbon bookmark. It’s the textual equivalent of wearing a silk smoking jacket and speaking with an Oxford accent. It is, in fact, dead sexy.”

Ich komme ja fast in Versuchung, mir doch noch die deutsche Ausgabe zu holen. ;)

In der Bar

Nachdem ich am Wochenende die drei Fantasy-Parallel-Lektüren alle beendet habe, wurde es mal wieder Zeit für etwas anderes.

“Tender Bar” von J. R. Moehringer wollte ich schon lange lesen, jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür gekommen.

Der kleine JR erzählt von seiner Kindheit in Long Island, die er zu einem großen Teil in einer verrauchten Bar verbringt. Die Männer dort ersetzen ihm den Vater, den die Mutter verlassen hatte als JR gerade mal sieben Monate alt war.

Ein Zitat vom Klappentext:

“Drei gute Gründe, dieses Buch zu lesen:

1. Für Frauen: Weil Männer viel einfühlsamer und liebenswürdiger sind, als man denkt.
2. Für Männer: Weil JRs Geschichte auch ein Stück unserer Biographie ist.
3. Für Männer und Frauen: Weil das Buch gleichermaßen bewegend und komisch ist.”

Georg R. R. Martin – Fiebertraum

Fiebertraum


Inhalt:

Wir schreiben das Jahr 1857, auf dem Mississippi herrscht reger Dampfschiffverkehr mit seinen ganz eigenen Regeln. Abner Marsh ist einer der Flussschiffer, durch Pech steht er nun kurz vor dem Ruin. Bis ihm ein seltsamer Herr das Angebot macht, seinen Traum zu erfüllen. Das schnellste Dampfschiff zu bauen, das je auf dem Mississippi unterwegs war. Zwar unter einigen etwas merkwürdigen Bedingungen, aber für seinen Traum wirft Marsh seine Bedenken über Bord. Auch dass sein Partner nur nach Sonnenuntergang anzutreffen ist lässt ihn zunächst nicht misstrauisch werden.

Meine Meinung:

Ein Buch von George R. R. Martin, der das von mir verehrte „Das Lied von Eis und Feuer“ geschrieben hat? Das musste gelesen werden. Auch wenn ich selten Horrorbücher lese, bei meinen Lieblingsautoren mache ich da auch mal eine Ausnahme. Bei diesem hier war mir schon klar, dass Martin mich ab und an mit schonungslosen Beschreibungen schocken würde. Aber das war dann doch nur einmal der Fall, der Rest verlief relativ gemäßigt.

Das Buch ist ein Pageturner, kaum angefangen will man wissen wie es weiter geht. Wann kommt Marsh endlich auf die Idee, dass mit seinem Partner etwas nicht stimmt? Was hat der mit dem Schiff, der „Fiebertraum“, vor? Wird es ihm gelingen? Da man die Handlung von verschiedenen Charakteren aus verfolgt, ist man denen im Wissen des öfteren etwas voraus. Was es allerdings in diesem Fall nicht langweiliger, sondern spannender macht. Oft genug „verpasst“ man auch einen Teil und sieht sich dann wie der gerade aktive Charakter plötzlich dem Ergebnis gegenüber und die Erklärung folgt nach.

Es ist mal etwas ganz anderes, einen Thriller mit Mississippi-Flair zu lesen. Natürlich kommt es auch zu Rennen zwischen den Dampfschiffen, die dermaßen atmosphärisch beschrieben sind, dass man meint die Pfeifen zu hören und das Stampfen der Räder zu hören.

Interessant ist auch Martins Erklärung der Existenz der Vampire und ihre verschiedenen Ansichten darüber, wie Menschen und Vampire zusammen leben können oder auch nicht. Vampire sind hier nicht nur die Blut trinkenden und an den nächsten Hals (am besten den einer schönen Jungfer) denkenden Monster, wie man ihnen in manch anderen Büchern begegnet. Wie auch in „Das Lied von Eis und Feuer“ gibt es kein reines Schwarz-Weiß, sondern viele Grautöne bei denen man für sich selbst entscheiden muss, wie man dazu steht.

Ein sehr spannendes Buch, das mich nicht enttäuscht hat. Damit wurde die lange Wartezeit auf den nächsten Band meiner Lieblingsfantasyreihe auf sehr angenehme Art und Weise verkürzt.

Weihnachtslektüre

Ja, ich weiß, ich bin ziemlich früh dran. Aber das war ein Schnäppchen, dem ich nicht widerstehen konnte.

Bei mir zog heute ein Buch ein, dass ich mir schon lange gewünscht habe: “Die Briefe vom Weihnachtsmann” von J. R. R. Tolkien. Tolkiens Kinder bekamen jedes Jahr einen Brief vom Weihnachtsmann, in dem er ihnen von seinem Leben am Nordpol erzählt. Die Briefe aus zwanzig Jahren sind in diesem Buch versammelt. Zum Teil mit Abbildungen der Originale, in Tolkiens Handschrift und mit fast allen Bildern, die dazu gezeichnet wurden.

Ganz besonders mag ich an meinem Buch, dass es die zweite Ausgabe von 1978 ist. Damit ist es nur ein Jahr jünger als ich, hat sich aber besser gehalten. ;)
Im Regal trifft es dann später auf meine erste Auflage des Silmarillion, ebenfalls von 1978.
Alte Bücher haben selbst schon eine Geschichte, das finde ich faszinierend.

Ich freue mich auf die Vorweihnachtszeit, wenn ich es mir mit diesem Schatz im Sessel gemütlich machen kann.

Deutscher Phantastik Preis 2008

Gestern fand auf der BuchmesseCon in Dreieich die Preisverleihung für den Deutschen Phantastik Preis statt.

Den erste Preis für den besten deutschsprachigen Roman ging an Cornelia Funke mit “Tintentod”, für das beste deutschsprachige Romandebut wurde Oliver Plaschka mit “Fairwater oder Die Spiegel des Herrn Bartholomew” ausgezeichnet. Ein Grund mehr, dass ich dieses Buch endlich mal lesen sollte, ich habe schon viel Gutes darüber gehört.

Alle weiteren Gewinner findet ihr zum Beispiel auf dieser Seite. Die offizielle Seite des deutschen Phantastik Preises ist leider noch nicht aktualisiert worden.

"Otherland" the Game!

2010 wird es wohl so weit sein, ich werde mir einen neuen Rechner zulegen müssen. Der aktuelle ist nicht mehr wirklich für neue Spiele geeignet. Da gerade die Zeit dazu fehlt, ist das auch nicht tragisch. Aber 2010 soll “Otherland” von Tad Williams als Spiel erscheinen!

Wenn ich mir ein Buch wirklich gut als Spiel vorstellen kann, dann Otherland. Die vielen fantastischen Welten laden gerade zu dazu ein, darin herum zu laufen und Abenteuer zu bestehen. Dass Otherland in einer virtuellen Welt spielt, macht es nur um so passender. Die schon gezeigten Bilder sehen auch gut aus, das könnte endlich mal wieder ein Spiel sein, für das es sich lohnt, die Bücher kurzzeitig beiseite zu legen.

Lesegewohnheiten-Stöckchen

Von Lesehunger habe ich dieses Stöckchen mitgebracht:

1. Zu welcher Tages- oder Nachtzeit liest du am liebsten?

Morgens, bevor der Tag beginnt, oder abends, wenn alles erledigt ist.

2. Wo liest du?

Entweder am Küchentisch, da ich immer beim Essen lese, oder in meinem Lesesessel.

3. Wenn du ihm Bett liest (liegend), liegst du am liebsten auf dem Rücken oder auf dem Bauch?

Meistens auf der Seite, da die wenigsten Bücher dünn genug sind für die Rückenlage. Auf dem Bauch geht gar nicht.

4. Welche Art von Büchern liest du am liebsten?

Fantasy, Krimis, historische Romane und unsortierbares.

5. Welches Buch hast du zuletzt gekauft?

“Vampire! Vampire!” von Markus Heitz

6. Was hast du zuletzt gelesen?

“Magyk” von Angie Sage

7. Was liest du im Moment?

“Der Zorn der Trolle” von Christoph Hardebusch

8. Benutzt du Lesezeichen oder knickst du die Seiten (Eselsohren)? Wenn du ein Lesezeichen benutzt, was benutzt du?

Eselsohren? In meinen Büchern? Niemals!

Da ich Lesezeichen sammele, benutze ich sie auch. Möglichst ein zum Buch passendes Exemplar. Postkarten und Erinnerungszettel sind aber auch in der Sammlung vertreten und werden genutzt.

9. Was hälst du von Hörbüchern?

Gute Alternative zum nebenbei hören, leider kann ich das nicht. Dabei verpasse ich immer wieder Teile, und das mag ich gar nicht. Deshalb hat es mich noch nicht wirklich gepackt.

10. Und was hälst du von eBooks?

Wenn es vernünftige und finanzierbare Reader gibt, eine gute Alternative für die Reise. Aber für mich werden sie das klassische Buch nie ganz ersetzen, es fehlt doch das gewisse Gefühl.

*Stöckchen in die Ecke leg, wo es auf den nächsten Mitnehmer wartet.*

Mick O’Hare – Wie dick muss ich werden, um kugelsicher zu sein?

kugelsicher

Inhalt:

„Wie dick muss ich werden um kugelsicher zu sein?“ ist eine Sammlung von 101 Fragen und deren Antworten aus dem Wissenschaftsmagazin „New Scientist“. Dort werden seit 1994 in der wöchentlichen Kolumne „The Last Word“ von Lesern Fragen aus dem Alltag gestellt und auch von Lesern beantwortet. Zum Beispiel warum Tee seine Farbe ändert, wenn man Zitronensaft zugibt, oder wie die Blasen in den Schokoriegel kommen. Und eben auch, wie dick man sein muss, um kugelsicher zu sein.

Meine Meinung:

Ein sehr unterhaltsames Buch, nach dessen Lektüre man vieles weiß, was man nicht unbedingt hätte wissen müssen. Liest man die Fragen, denkt man aber doch recht oft „Stimmt, warum eigentlich?“ und liest dann gespannt die Antworten.

Eigentlich dachte ich ja, das Buch würde einige Monate lang am Bett liegen und immer mal wieder eine Frage gelesen werden. Ich muss gestehen, dass es mir diverse Stunden Schlaf geraubt hat, weil ich mich fest gelesen hatte und erst nach einiger Zeit merkte, dass es jetzt doch ein paar Fragen mehr waren als geplant.

Demnächst wird sicher ein weiteres Buch von Mick O’Hare hier einziehen, ich möchte gerne weiterhin auf so amüsante Weise Nützliches und Unnützes lernen.