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Thomas Finn – Der Funke des Chronos

FunkeChronos

Inhalt:

Ohne Vorwarnung verschlägt es Tobias in die Vergangenheit. Genauer gesagt 150 Jahre zurück, in das Hamburg der Biedermeierzeit. Dort landet er auch gleich in seltsamen Verschwörungen, in die ein unheimlicher Serienmörder ebenso verwickelt ist wie auch eine Loge der Freimaurer und eine Reihe von Alchimisten und Erfindern. Neben all diesen Verschwörungen muss er auch noch seine Zeitmaschine wieder finden. Plötzlich befindet er sich inmitten des großen Brandes, der damals die Hamburger Innenstadt verwüstete.

Meine Meinung:

Thomas Finn wollte mit diesem Buch eine Hommage sowohl an H.G. Wells als auch an das verlorene Hamburg der Vergangenheit schreiben. Beides ist ihm sehr gut geglückt.

Es gelingt dem Autor ein sehr atmosphärisches Bild der damaligen Zeit zu zeichnen, man fühlt sich mitten in der Stadt einer anderen Zeit. Und bekommt ein Gefühl für dieses Hamburg, von dem heute nicht mehr viel zu sehen ist, dank des verheerenden Brandes 1842.

Finn hat in jahrelangen Recherchen viele interessante Details entdeckt und sehr schön im Buch untergebracht. Ganz nebenbei erfährt man zum Beispiel von einem ausgestopften Grönländer, da damals die Wirtsstube eines Gasthauses „verziert“ hat, und den es wirklich gegeben hat.

Der Kriminalfall und die Verschwörung, die die Haupthandlung des Buches ausmachen, sind durchweg spannend, immer wieder sorgen die Wendungen für neue Erkenntnisse. Man kann miträtseln und folgt den Charakteren voller Spannung auf ihrem Weg.

Sehr gut gefielen mir auch die sprachlichen Besonderheiten, Charaktere der niederen Schichten sprachen grundsätzlich Mundart. Auch als nicht Hamburger war verständlich was sie sagten, und es fühlte sich einfach richtig an. Dieses Stilmittel passt nicht in allen Büchern, aber hier war es perfekt gewählt und eingesetzt.

Vor allem Jochen Borchert wird mir dank dessen wohl lange im Gedächtnis bleiben, ein Konstabler wie man ihn sich passender kaum vorstellen kann. Ein Stammbaum seiner Familie wäre eine lustige Ergänzung gewesen.

Positiv sind auch die Karten, dank derer man sich im Verlauf des Buches noch besser orientieren kann.

Es war ein toller Zeitreiseroman, der viel zu schnell zu Ende ging. Man wünscht sich eine Zeitmaschine, um ihn noch einmal genießen zu können.

Ulrich Wickert – Der nützliche Freund

Inhalt:

Jacques Ricou sitzt gerade gemütlich mit einem Freund im Café, als er die Nachricht bekommt, dass eine befreundete Journalistin bewusstlos in einer Wohnung gefunden wurde. Der Besitzer der Wohnung liegt 22 Etagen weiter unten auf dem Gehweg.

Die Journalistin recherchierte für einen Bericht über einen großen Wirtschaftsskandal, in dem sowohl France Oil als auch deutsche Politiker verwickelt zu sein scheinen. Größere Beträge wurden über verschiedene Wege gewaschen, der verunglückte Kontakt der Journalistin war als Mittelsmann bei der Geldwäsche eingesetzt worden.

Meine Meinung:

Hätte ich das Buch nicht gelesen, hätte ich nicht viel verpasst.

Der holperige und hölzerne Sprachstil wird leider auch im Laufe des Buches nicht besser. Die Charaktere bekommen für mich kaum Tiefe, obwohl jeder neue gleich mit einem Wust an vergangenen Begebenheiten eingeführt wird. Vielleicht auch gerade darum, das war mir jedes Mal zuviel des Guten. Geschickter ist es, die Vergangenheit im Laufe der Geschichte einfließen zu lassen. Sofern sie überhaupt wichtig ist, ich habe auch über etliche unwichtige Nebencharaktere vieles lesen müssen, was absolut unbedeutend war und damit den Blick auf das Wesentliche erschwert hat.

Diese Detailverliebtheit war nicht nur bei den Charakteren zu beobachten, auch die Beschreibungen der Stadt waren oft zu überladen. Warum und wann diese eine Straße nach wem auch immer benannt wurde interessiert mich nicht, sofern nicht ein Teil der Handlung des Romans damit zu tun hat. Das war aber nicht der Fall.

Manche Absätze habe ich nur noch überflogen, weil in zu vielen Einzelheiten aufgezählt wurde, mit welchen Decknamen und über welche Routen zum Beispiel jemand ins Land geschleust wurde. Schade für den Absatz, der sicher viel Recherchearbeit gekostet hat. Aber so viele Namen innerhalb weniger Zeilen die nie wieder interessieren, das hätte man sich auch sparen und kürzer fassen können.

Das französische Flair wirkte übertrieben und nicht realistisch. Es wurden zu viele französische Ausdrücke verwendet, es wirkte eher wie ein leicht krampfhaftes Erzwingen des französischen Lebensgefühls. Auf Frankreichliebhaber wirkt es vielleicht wieder positiver. Auch ich mag dieses Land und lese eigentlich gerne Bücher darüber, aber diese Beschreibungen haben mich nicht überzeugt.

Die Namenswahl fand ich zwischendurch ziemlich anstrengend. Jean und Jacques sind schon nicht sehr innovativ, dass Jacques dann auch noch mit einer Jacqueline verheiratet war, tat schon fast ein wenig weh. Dass es einige Jeans und Jacques in Frankreich gibt ist mir klar, aber schon in diesem Roman sind sie mehrfach vertreten.

Der Teil der Handlung der sich nicht um wirtschaftliche Details dreht lässt zwar ab und an tatsächlich etwas Spannung aufkommen, aber man fragt sich schon, wie dumm eine scheinbar professionelle Mörderin sein muss, um überall ihre DNA zu hinterlassen.

Interessant fand ich gegen Ende die Vergleiche des französischen und des deutschen Justizsystems. Auch ganz nett war die Nebenhandlung in der man einiges über Cervelatwurst und ungeahnte Probleme bei ihrer Herstellung erfahren hat. Das hat den etwas trockenen Stoff der Handlung leicht aufgelockert.

Alles in allem lautet mein Fazit: leider nicht sehr gelungener Krimi. Vielleicht lag es zum Teil daran, dass Wirtschaft nicht wirklich mein Gebiet ist. Aber flüssiger geschrieben und mit mehr Spannung können auch solch ungewohnte Gebiete spannende Lektüre werden. Das war hier leider nicht der Fall.

Anne Holt – Der norwegische Gast

norwegische gast

Inhalt:

Ein Zug entgleist, die 196 Fahrgäste können sich in ein nahe gelegenes Hotel retten, bevor ein Schneesturm sie dort einschließt. Unter den Gästen ist auch die ehemalige Kommisarin Hanne Wilhelmsen, die seit ihrem letzten Einsatz im Dienst querschnittsgelähmt ist. Diese Behinderung ermöglicht ihr oft eine andere Wahrnehmung der Ereignisse um sie herum.

Nicht lange nach der Einquartierung im Hotel kommt es zu einem Mord. Und es soll nicht bei dem einen Toten bleiben. Wer ist der Mörder? Wann schlägt er wieder zu und wen wird es als nächsten Treffen? Die von den Naturgewalten zur Gemeinschaft gezwungenen Menschen werden nervös, es kommt zu Spannungen in der unfreiwilligen Gruppe. Einer von Ihnen muss der Mörder sein, das Hotel ist von meterhohen Schneemauern umgeben, niemand kann herein oder heraus. Auch die Kommunikation zur Außenwelt bricht ab. Und wer sind die geheimnisvollen Gäste, die im Königswaggon mitgereist sind und sich nun unter dem Dach verbarrikadiert haben?

Meine Meinung:

Dieses Buch sollte man eigentlich im Winter lesen, wenn draußen der Wind an den Fenstern rüttelt und es drinnen so richtig gemütlich ist.

Es ist ein richtig schöner, klassischer Krimi. Ein wenig erinnert er an “Zehn kleine Negerlein” von Agatha Christie, eine Gruppe von Menschen sitzt fest und mindestens einer von ihnen ist ein Mörder. Auch der komplette Ausfall der Technik trägt zum klassischen Krimigefühl bei, es wird ganz auf die altmodische Art des Beobachtens, Zuhörens und Schlussfolgerns ermittelt. Keine Computeranalysen von Fingerabdrücken, kein Abgleich der Passagierlisten mit den Verbrecherdatenbanken oder Ähnliches. Über die Gäste ist nur soviel bekannt, wie sie selbst offen legen. Mit Ausnahme der etwas prominenteren Gäste natürlich.

Neben dem Kriminalfall ist es eine interessante Charakterstudie von Menschen in Extremsituationen. Das Verhalten der verschiedensten Typen ist immer wieder spannend zu beobachten, so dass der Mordfall an sich ab und an ein wenig in den Hintergrund rückt. Es wird sehr realistisch gezeigt, was zum Beispiel eine Panik in einer größeren Gruppe ohne Ausweg anrichten kann.

Die Charaktere sind ein vielfältige Mischung, wie man es bei der zufälligen Mischung bei einer Zugreise auch erwarten kann. Viele von ihnen geben im Laufe der Geschichte Teile ihres Lebens preis, entwickeln Leben. Sie sind fassbar und entwickeln sich mit der Zeit.

Die Kommissarin als Hauptcharakter war mir anfangs noch sehr suspekt. Sie gibt sich Menschen gegenüber betont abweisend. Trotzdem zeigt sie immer wieder deutlich, dass sie ihr eigentlich nicht egal sind. Vor allem wenn es um hilflose Menschen geht. Sie versucht einen Säugling vor dem Erfrieren zu retten, kümmert sich um einen einsamen Jugendlichen, versucht beim Ausbruch einer Panik ein niedergetrampeltes Kind zu retten. All das zeigt eine sympathischere Seite von ihr, die sie anfangs gut verbirgt. Aber auch ihr tut der Zwangsaufenthalt unter anderen Menschen gut, sie taut nach und nach etwas auf und wird mir sehr sympathisch. Sie ist ein Mensch mit Sorgen und Problem und ihrer Art damit umzugehen, die nachvollziehbar ist.

Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen, ich habe es an einem Tag durchgelesen. Es wird sicher nicht mein letztes Buch von Anne Holt sein, da ich diese Art des Krimis, in dem auch die beteiligten Menschen eines genaueren Blickes gewürdigt werden und nicht nur Namen bleiben, sehr gut gefällt.

Catherine Jinks – Teuflisches Genie

Teuflisches Genie
“Teuflisches Genie” ist der erste Band einer Trilogie, der zweite Band (“Teuflisches Team”) erscheint im April 2009.

Inhalt:

Cadel ist überdurchschnittlich intelligent, was ihm das Leben nicht unbedingt erleichtert. Schon mit sieben Jahren hat er die Datenbanken von Geldinstituten geknackt, ohne sich wirklich darüber im klaren zu sein, dass er etwas unrechtes tut. Daraufhin schicken seine Adoptiveltern ihn zu einem Psychologen, der Cadel während der nächsten Jahre begleitet und unterstützt. Allerdings etwas anders als wohl geplant war, Cadel muss ihm nämlich nur eines versprechen: sich nicht erwischen zu lassen.

Cadel beginnt so recht früh eine kriminelle Karriere, sein unschuldiges Gesicht ist ihm dabei oft sehr hilfreich. Er wird dabei nicht nur vom Psychologen, sondern auch von seinem richtigen Vater unterstützt. Dabei gibt es nur ein Problem, Cadel möchte eigentlich gar nicht böse sein. Als er erkennt, worauf all das hinaus läuft, geht er seine eigenen Wege.

Meine Meinung:

Der Schreibstil ist flüssig und ich konnte das Buch oft kaum weglegen, da ich gerne wissen wollte wie es nun weiter geht. Als die Identität einer Internetbekanntschaft von Cadel aufgedeckt wird, war ich sogar sehr positiv von der Tiefe überrascht, die das Buch damit gewann. Leider war der Moment nur relativ kurz, danach war wieder eher Spannung angesagt.
Viele Personen blieben allerdings Schattenrisse, teilweise hatte ich Probleme die Namen auseinander zu halten, da keine Person ein wirkliches Profil entwickelte. Mit Cadel konnte ich allerdings schon mitleiden, leicht hatte er es wahrhaftig nicht.
Gegen Ende kam mir die Geschichte leicht gehetzt vor, eine einzige Flucht von einer zur anderen Seite. Das war für meinen Geschmack etwas zuviel des Guten. Lieber wäre mir ein bisschen weniger davon, dafür aber mehr Tiefe gewesen.

Das der Schluss viel Platz für Fragen offen lässt ist wohl Absicht, schließlich folgen noch zwei Teile. Trotz der Mängel hat mir das Buch sehr viel Spaß gemacht, und ich freue mich schon auf den zweiten Band.