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Jasper Fforde – Im Brunnen der Manuskripte

brunnenmanuskripte

Der dritte Band aus der Thursday Next Reihe.

Klappentext:

Die Welt der Literatur gegen alle möglichen Missetäter zu verteidigen, ist eine ehrenvolle, aber auch nervenaufreibende Aufgabe. Wen wundert es also, dass Thursday Next sich zu ihrem Mutterschaftsurlaub in die tiefsten Tiefen des Brunnens der Manuskripte zurückzieht. Genauer gesagt auf ein gemütliches Flug-/Hausboot in einem drittklassigen, unlesbaren Krimi, der wahrscheinlich nie veröffentlicht wird. Hier kann sie sich auf die Große Dienstprüfung der Jurisfiktion vorbereiten. Aber das Leben im Brunnen der Manuskripte ist nicht ungefährlich: Es ist ein Mörder in diesem Roman unterwegs, der sich auf Jurisfiktion-Agenten spezialisiert hat. Text-Grand-Central will das neue Betriebssystem Ultra-Word mit aller Gewalt durchsetzen.

Meine Meinung:

Wie schon die ersten beiden Bände ist auch dieser einfach toll. Wer verrückte Ideen gepaart mit literarischen Anspielungen mag, ist hier auf jeden Fall richtig.

Fforde hat es geschafft, das Jane Austen jetzt auf meiner Leseliste steht. Einige andere Titel haben mich neugierig werden lassen und ich habe mir mal Informationen darüber besorgt. Obwohl die Geschichte von Anna Karenina “Im Brunnen der Manuskripte” sicher unterhaltsamer dargestellt wurde. *g*

Fforde ist einer der wenigen Autoren, die ich für Fußnoten nicht verfluche. Das Fußnotofon ist eine seiner typischen verrückten Ideen. Es gibt sogar Spamnachrichten.

Wer gut genug Englisch kann, sollte seine Bücher auf jeden Fall im Original lesen, da so unglaublich viele Wortspiele darin vorkommen. Aber auch die Übersetzungen sind wirklich sehr gelungen. Zum Beispiel kommen in diesem Band immer wieder Anspielungen auf die Rechtschreibreform vor.

Beim Schreiben dieses Beitrags grinse ich schon wieder vor mich hin wie der Warrington-Kater, ehemals bekannt als Chishire Cat. *g*

Markus Heitz – Die Mächte des Feuers

MaechteFeuers

Klappentext:

Seit Jahrhunderten werden die Geschicke der Welt in Wahrheit von übermächtigen Wesen gelenkt: den Drachen. Sie entfachen politische Konflikte, stürzen Könige und treiben Staaten in den Krieg. Doch nun schlagen die Menschen zurück… Im Jahr 1925 untersucht die Drachentöterin Silena eine Reihe mysteriöser Todesfälle. Ein unbekannter Feind hat es auf sie abgesehen, und in dem gefährlichen Spiel aus Verrat und Intrigen kann Silena auch ihren Verbündeten nicht mehr trauen. Immer tiefer wird sie in einen uralten magischen Konflikt verstrickt. Doch stecken Drachen dahinter, oder muss sie sich einem ganz anderen Gegner stellen?

Meine Meinung:

Einer meiner Lieblingsautoren schreibt über meine geliebten Drachen. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, und wurde auch nicht enttäuscht. Es hat mal wieder jede Menge Spaß gemacht, den Hauptcharakteren über die Schulter zu sehen. Natürlich gibt es wieder einige Kämpfe, die durchaus blutig sind. Aber daran sollten Heitz-Leser ja gewohnt sein. Wink Nur ein oder zweimal hatte ich das Gefühl, dass es gerade doch ein wenig zuviel des Guten sei.

Was die Auseinandersetzungn zwischen Drachen und Drachentötern interessanter machte, waren sicherlich die für Fantasy sonst unüblichen Kampfmethoden. Die Geschichte spielt ja in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Dementsprechend gibt es nicht nur Schwerter und Speere um sich gegen die Biester zu wehren, welche aber durchaus noch in Gebrauch sind, es werden auch Flugzeuge und andere moderne Gerätschaften eingesetzt. Obwohl ich mich selbst nicht wirklich für die Fliegerei interessiere, waren die Luftkämpfe sehr spannend geschrieben.

Nette Beigaben waren die Einführungen am Anfang der Kapitel, in der unter anderem die verschiedenen Heiligenlinien mit den unterschiedlichen Kampfmethoden vorgestellt wurden. Bei so mancher Linie wundert es einen nicht, dass sie ausgestorben ist. *g*

Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir die Darstellung der unterschiedlichen Drachen. Mir fällt spontan keine Art ein, die vergessen wurde.
Das ich in Zukunft an keinem Gargoyle mehr so arglos wie zuvor vorbei gehen kann, wird jeder verstehen, der das Buch gelesen hat. Auch diese Idee gefiel mir sehr gut, nicht nur weil sie die Spannung hielt, wer denn nun auf welcher Seite steht. Was allgemein in diesem Buch gut gelungen ist, es gibt so viele Seite mit so vielen Zielen, das man nie sicher sein kann, wem man denn nun trauen kann.

Es ist Fantasy der ganz anderen Art, angesiedelt in einer Welt wie wir sie kennen und doch wieder nicht. Dieses Experiment ist Markus Heitz sehr gut gelungen.

Die schöne Ausstattung als Hardcover mit Lesebändchen ist ebenfalls ein Pluspunkt. Der Preis liegt nicht wesentlich höher als für die broschierten Bände der Zwergenreihe.

Elizabeth Kostova – Der Historiker

historiker

Klappentext:

Ein junges Mädchen findet in der Bibliothek ihres Vaters ein Konvolut mit vergilbten Briefen. Das Geheimnis um den Vater und das Schicksal der Mutter verbinden sich zu einem Drama, das weit in die Vergangenheit zurückreicht. Die Briefe fragen nach der Herkunft von Vlad dem Pfähler, dem Urbild der Dracula-Legende. Eine atemberaubende Suche in Klöstern, Bibliotheken und Archiven beginnt.

Meine Meinung:

Eher ein historischer als ein Horrorroman, auch wenn die Frage ob Vlad der Pfähler, alias Dracula, doch noch lebt sich durch das ganze Buch zieht. Ist die Legende wahr? Auf der Suche nach der Antwort folgt man mehreren Historikern bei ihren Recherchen, meist in Form von Briefen oder Berichten. Im zweiten Drittel wird es etwas zäh, aber nicht so schlimm, dass ich das Buch hätte weglegen wollen. Das letzte Drittel wird schnell wieder sehr spannend, am Ende überschlagen sich die Ereignisse und es gibt einige Überraschungen.

Die Herbst-/Winterzeit ist die richtige Zeit für dieses Buch, Dämmerung und Kerzenschein vertiefen die düstere Stimmung des Buches wunderbar. Ganz nebenbei erfährt man noch einiges über die Geschichte Istanbuls, Bulgariens und Ungarns. Vorallem natürlich über Vlad, aber auch über die Kirchengeschichte und die Politik, nicht nur im 15. Jahrhundert sondern auch im 20. Jahrhundert.

Stephen Clarke – Ich bin ein Pariser (Merde actually)

Pariser

“Ich bin ein Pariser” ist die Fortsetzung zu “Ein Engländer in Paris” (“A Year in the merde”)

Kurzbeschreibung:

Ein Engländer in Paris versucht nach dem ersten Jahr und einigen Kulturschocks immer noch, den Franzosen den Fünf-Uhr-Tee schmackhaft zu machen und eine elegante Französin für die “amour èternel” zu finden. Beides gestaltet sich kompliziert, und Paul West hat zunehmend den Verdacht, dass die Franzosen auf einem anderen Planeten leben. Immerzu reden sie sich auf ihren Lebensstil heraus, trinken die ganze Nacht Champagner und behaupten, so einen klaren Kopf zu behalten. Dabei drücken sie sich schon nüchtern völlig unverständlich aus, was daran liegt, dass alle bis zum 18. Lebensjahr Philosphieunterricht haben. Und weil die Franzosen glauben, alles müsse sich um die Liebe drehen, und die wiederum besonders ernst nehmen, kommt Paul ganz schön in die Bredouille. Das ganz andere Buch über französisches Savoir-vivre.

Meine Meinung:

Im Gegensatz zum ersten Teil dreht sich hier viel mehr um die Liebe und viel zu selten um die restliche französische Lebensart. Es gibt ein paar Ausnahmen, so lernt man zum Beispiel die Eigenarten französischer Bauarbeiter kenne oder das Ministère de la Francophonie, das Ministerium zum Schutz der französischen Sprache. Ich wusste zum Beispiel vorher nicht, das “Sandwich” ein französisches Wort ist ;-)

Diese Teile sind auch mit dem vom ersten Teil bekannten Humor geschrieben und haben mir sehr gut gefallen. Aber sie sind zu selten vertreten, der Rest des Buches dreht sich um l’amour. Es war trotz allem eine nette Lektüre zwischendurch, aber an den ersten Teil kam es für mich bei weitem nicht heran.

Christoph Marzi – Lumen

Lumen

“Lumen” ist der dritte Teil einer Reihe, die von der Uralten Metropole handelt. Die ersten beiden Bände sind “Lycidas” und “Lilith”.

Klappentext:


Es geschehen seltsame Dinge in London. Geheimnisvolle Nebel suchen die Stadt der Schornsteine heim, und das, was sich darin verbirgt, verbreitet Schrecken und Furcht. Emily Laing, deren Leben nicht so geworden ist, wie sie es sich einst erhofft hatte, ist in einem Netz aus Lügen und Intrigen gefangen, das großes Elend über jende bringt, die ihr am Herzen liegen. Und so begibt sie sich mit dem mürrischen Alchimisten Wittgenstein und ihrer Freundin Auror Fitzrovia ein letztes Mal hinab in die Uralte Metropole. Dort zeiht eine geheimnisvolle Gemeinschaft schon seit Jahrhunderten die Fäden, die Londons Schicksal bestimmen. Sprechende Ratten, wilde Winde und geheimnisvolle Ewige kreuzen ihren Weg, der tief hinab direkt in den Schlund der Hölle führt. Und während Aurora gemeinsam mit dem Lichtwesen Lilith den Limbus durchstreift, begeben sich Wittgenstein und Emily ins geheimnisumwitterte Prag, wo vieles begonnen hat und wo sie nach einem Engel suchen, den man einst Lycidas nannte…

Meine Meinung:


Lumen ist ein gelungener Abschluss der Trilogie, die ich am liebsten gleich wieder von vorne beginnen würde, da die ersten beiden Teile mit dem Wissen des dritten wieder einen ganz neuen Reiz bekommen. Irgendwann werde ich das sicher auch tun. Alle drei Bänder hatten einen ganz eigenen Reiz, der Schreibstil ist nicht alltäglich und gefällt mir immer wieder gut. Die kurzen, abgehackten Sätze im Wechsel zu wunderschönen bildlichen Satzbauten. Dazu die immer wieder verwendeten Redewendungen einiger Personen (“Fragen sie nicht!”), die mich oft schmunzeln ließen. Die Charaktere sind faszinierend, die Stimmung des ganzen Buches wunderbar düster mit ab und an einem Lichtblick an den richtigen Stellen.

Etwas störend waren die ziemlich häufig auftretenden Beinahetode, die gegen Ende mancher Szene die Spannung nahmen. Allerdings waren einige Charaktere bis zum Ende nicht wirklich zu durchschauen. Man ahnte zwar wie es ausgeht, konnte sich aber nicht ganz sicher sein, was die Spannung dann wieder hob.

Alles in allem hat es aber sehr viel Spaß gemacht, wieder mit Emily und den anderen durch die uralten Metropolen zu streifen. Ich hoffe, wir hören noch einmal von dem ein oder anderen Charakter.